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01.04.14 08:34 Alter: 6 Jahre
Kategorie: Aktuelles Aktuelles

Studie: Rentensystem benachteiligt Familien

Ein Kind, das im Jahr 2000 geboren wurde, zahlt im Lauf seines Lebens durchschnittlich 77.000.- € mehr in die Rentenkasse ein, als es selbst an Leistungen aus diesem System beziehen wird.


Seine Eltern haben von diesem Überschuss allerdings wenig, weder eine nennenswerte Erhöhung ihrer Rentenleistung noch weniger Beiträge als Kinderlose. So lautet das Resümee einer aktuellen Studie von Martin Werding, Professor für Sozialpolitik und öffentliche Finanzen an der Ruhr-Universität Bochum. Die Studie mit dem Titel „Familien in der gesetzlichen Rentenversicherung: Das Umlageverfahren auf dem Prüfstand“ wurde von der Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegeben.

Eltern erbringen durch die Erziehung und Ausbildung von Kindern entscheidende Vorleistungen für die Finanzierbarkeit des Rentensystems. Sie erziehen und versorgen ihre Kinder und erfüllen dabei den „Generationenvertrag“ gleich doppelt: Zum einen zahlen sie selbst in die Rentenversicherung ein, daraus werden die Leistungen für die heutigen Rentner bezahlt. Gleichzeitig leisten sie durch ihre Kinder einen „generativen“ Beitrag. Denn diese nachwachsende Generation sorgt als künftige Beitragszahler dafür, dass das Rentensystem dauerhaft aufrecht erhalten werden kann. Diese Kinder werden später sowohl die Renten ihrer eigenen Eltern, aber auch die Renten kinderlos gebliebener Personen finanzieren. Dadurch entstehen positive „externe Effekte“ von Kindern, die jeweils der gesamten, nächst-älteren Generation zu Gute kommen. Trotzdem richten sich die individuellen Rentenansprüche überwiegend nach den finanziellen Beiträgen, die in der Erwerbsphase geleistet werden und weniger danach, ob von diesem Arbeitnehmer Kinder erzogen und betreut wurden.

Doppelbelastung wenig honoriert
Nach Meinung von Professor Martin Werding werden durch unser umlagefinanziertes Rentenversicherungssystem die Leistungen der Väter und Mütter nicht entsprechend anerkannt. Aufgrund von Erziehungszeiten schränkten Eltern - in den meisten Fällen sind es die Mütter - ihre Berufstätigkeit ein. Dadurch verringert sich nicht nur ihr Einkommen, auch die eigene Rente wird später deutlich niedriger ausfallen als ohne diese erwerbslosen Zeiten. Durch ihre Kinder leisten Eltern zwar einen wesentlichen Beitrag, dieser schlägt sich aber systembedingt nicht auf ihre eigenen Rentenansprüche nieder. Laut Professor Martin Werding könnten Mütter für ihre Erziehungsleistung derzeit im Schnitt eine Mütterrente von ca. 8.300 Euro erwarten. Gleichzeitig profitiere die Rentenversicherung von jedem Kind unterm Strich mit einer fast zehnmal so hohen Summe.


Zwei Reformalternativen
Laut Professor Werding sollte das System grundlegend reformiert werden, um es "demografiefest und familiengerecht" zu machen. Der Sozialwissenschaftler hat zwei Reformmodelle entwickelt, die Eltern in der aktiven Familienphase besserstellen würden. Das eine Modell sieht vor, das Rentensystem um Kinderfreibeträge nach dem Vorbild des Steuersystems zu ergänzen. Dadurch würden Eltern in dieser Phase weniger in die Rentenkasse einzahlen - ohne dass sie deshalb Renteneinbußen hinnehmen würden.

Als zweite Variante propagiert die Studie ein Drei-Säulen-Modell aus Basisrente, Kinderrente und obligatorischer Sparrente: Zu einer umlagefinanzierten Basisrente käme eine „Kinderrente“, die sich allein an der Kinderzahl bemisst. Zudem gäbe es eine Pflicht zu ergänzender Vorsorge, von der Eltern je nach Kinderzahl teilweise oder ganz befreit würden.

Im Ergebnis, so Werding, hätte eine vierköpfige Familie mit Durchschnittseinkommen etwa 2.600 Euro im Jahr mehr zur Verfügung als ohne die Reform. Ein Paar ohne Nachwuchs und vergleichbarem Einkommen verfüge dagegen dann über etwa 1.400 Euro im Jahr weniger als bisher. Als Ruheständler wären beide Familien ungefähr wieder auf gleichem Niveau, im Vergleich zu heute würde das ein minimal niedrigeres verfügbares Einkommen bedeuten.


Link zur Studie der Bertelsmann-Stiftung:

http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/SID-DB985021-B51CB99B/bst/hs.xsl/nachrichten_119663.htm