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20.10.14 08:17 Alter: 6 Jahre
Kategorie: Aktuelles Aktuelles

Kita-Kinder essen unausgewogen

Zu viel Fleisch und zu wenig Obst und Gemüse: Das Essen in deutschen Kitas ist zu selten ausgewogen und alles andere als kindgerecht. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung.


Rund 2,7 Millionen Kinder besuchen eine Kindertagesstätte und viele von ihnen essen dort auch regelmäßig: Über 1,8 Millionen von ihnen aßen im vergangenen Jahr täglich in ihrer Kindertagesstätte zu Mittag, das sind zwei Drittel aller Kita-Kinder. Ob die dortige Verpflegung auch gesund und ausgewogen genug ist, hat die Bertelsmann Stiftung in einer bundesweiten Studie untersucht.  „Is(s)t KiTa gut?“ lautet der Titel der Bertelsmann-Studie, bei der Experten der Stiftung 1.082 Kitas aus allen Bundesländern über die angebotene Verpflegung befragten. Diese Daten bewerteten sie anhand des wissenschaftlich begründeten Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Zu viel Fleisch – zu wenig Obst und Gemüse

Insgesamt kommt die Studie zu der ernüchternden Einschätzung, dass für einen Großteil der Kinder derzeit kein gesundheitsförderliches Mittagsangebot sichergestellt wird. Auf dem Speiseplan der Kleinen stehe zu viel Fleisch und zu wenig Obst und Gemüse, geht aus der Erhebung der Bertelsmann-Stiftung  hervor. Nur rund ein Drittel der Einrichtungen gab an, sich an anerkannten Standards bei der Essenauswahl – etwa den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) – zu orientieren. Nur bei 12 Prozent der Kitas bekommen die Kinder genügend Obst, nur 19 Prozent bieten ausreichend Salat oder Rohkost an. Den DGE-Standard für Fisch halten nur 30 Prozent ein. Fleisch dagegen wird in rund 75 Prozent der Kitas zu häufig angeboten.

Nur ein Drittel der Kitas beschäftigt laut Studie hauswirtschaftliches Fachpersonal. Die übrigen zwei Drittel der Betreuungsstätten lagern die Verpflegung an Catering-Betriebe aus und lassen das Essen anliefern. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) lässt sich das Essen warm liefern, bei über 7 Prozent kommt das Essen tiefgekühlt. Doch nur jeder zehnte Caterer, der eine Kita beliefert, ist auf die Zielgruppe „Kind“ spezialisiert und bietet ein an den Bedarf von Kindern ausgerichtetes Mittagessen an.


Keine einheitlichen Standards

Eine Lösung für das Dilemma, so die Studie,  scheint schwierig: Es gibt keine bundesweit verbindlichen Vorgaben für die Planung und Finanzierung des Kita-Essens. Dem DGE-Standard zufolge kostet ein ausgewogenes, kindgerechtes Mittagessen mindestens vier Euro. Die Beträge, die Eltern für die Verpflegung ihrer Kinder zahlen, sind bundesweit recht unterschiedlich: Die Spanne reicht von 75 Cent bis sechs Euro pro Mahlzeit. Der Durchschnittswert innerhalb der Studie liegt bei 2,40 Euro – laut DGE zu wenig für ausreichende Qualität. Wenn jedes Kind, das in seiner Kita isst, täglich ein gesundes Mittagessen erhalten soll, müssten bundesweit jährlich 1,8 Milliarden Euro aufgewendet werden, also bis zu 750 Millionen Euro mehr als Eltern heute ausgeben.

Insgesamt fordern die Studienmacher bundesweit verbindliche Qualitätsstandards für eine hochwertige und ausgewogene Kita-Ernährung.  „Bund, Länder, Kommunen, Träger und Eltern müssen sich verbindlich über die Finanzierung einer ausgewogenen Mittagsmahlzeit verständigen, damit jedes Kind in der Kita gesund verpflegt werden kann“, verlangt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung.  Bundeseinheitliche Qualitätsstandards sowie eine verbindliche Finanzierung von Kita-Verpflegung gewinnen nach Einschätzung der Bertelsmann-Stiftung auch deshalb an Bedeutung, weil inzwischen bundesweit mehr als 1,8 Millionen Kinder über Mittag in ihrer Kita bleiben und dort verpflegt werden. Das seien knapp 80 Prozent der unter-dreijährigen sowie mehr als 60 Prozent der über-dreijährigen Kita-Kinder – Tendenz steigend. „Zudem weisen aktuelle bundesweite Querschnittsstudien auf ein grundsätzlich bedenkliches Essverhalten von Kindern und Jugendlichen und die Folgen schlechter Ernährung hin“, so die Bertelsmann-Stiftung weiter. Beispielsweise zeige der Kinder- und Jugendsurvey des Robert-Koch-Instituts: Bereits neun Prozent der Drei- bis Sechsjährigen seien übergewichtig, knapp drei Prozent sogar adipös. Mit zunehmendem Alter steige der Anteil der Übergewichtigen weiter an. „Die Mehrheit aller Kita-Kinder isst inzwischen in ihrer Kita. Politik sollte diese Chance nutzen und gesundes Aufwachsen für alle Kinder sicherstellen", sagt Dräger.

Ziel soll es sein, so die Experten, dass jedes Kind in Deutschland unabhängig von der finanziellen Situation seiner Eltern ein hochwertiges Mittagessen in der Kita bekommt, zumal mit einem qualitativ guten Verpflegungsangebot im Rahmen der Ernährungsbildung und -erziehung auch zentrale Grundlagen für ein langfristig gesundes Ernährungsverhalten gelegt werden können.




Link zur Studie der Bertelsmann-Stiftung:

http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xbcr/SID-90CD7680-1005F08D/bst/xcms_bst_dms_39869_39870_2.pdf

Link zur Pressemeldung der Bertelsmann-Stiftung:
http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/bst/hs.xsl/nachrichten_121251.htm

Link zur KiGGS-Studie:
http://www.kiggs-studie.de/deutsch/studie.html